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Willkommen im WeidenWiki! Das WeidenWiki ist ein historisches und volks- und heimatkundliches Nachschlagewerk für die kreisfreie Stadt Weiden und für die nördliche Oberpfaöz. Es dient der Heimatpflege und überregional auch der Sprachpflege und der Politischen Bildung.


Weiden (mundartlich auch d' Wei'n) ist eine Stadt im Norden Bayerns.

Altes Rathaus

Weiden liegt am Ufer der Naab zwischen Regensburg und Hofund damit im Regierungsbezirk Oberpfalz .
Amtliche Schreibweise des Stadtnamens:
Weiden i. d. OPf. (Weiden in der Oberen Pfalz)

Stadtteile[Bearbeiten]

Weiden gliedert sich in verschiedene Stadtteilen:

Weitere folgen...

Zahlen, Daten, Fakten[Bearbeiten]

Einwohner: 45263 (Stand 1. März 2017)
Ausländeranteil: 10 %
ledig: 41 %
verheiratet: 41%
geschieden: 9%
verwitwet:
Fläche: 71 km2
Höhe: 397 m ü. NN
Postleitzahl: 92637
Telefonvorwahl: +49 961
KFZ-Kennzeichen: WEN

Durchschnittliches Klima[Bearbeiten]

Tageshöchsttemperatur: 12,8 °C
Jahresniederschlag: 698,4 mm
Niederschlagstage: 119,3 Tage
Anzahl Frosttage: 92,1 Tage

Wappen der Stadt Weiden[Bearbeiten]

Wappen der Stadt Weiden

Der steigende goldene Löwe ist der Pfälzer Löwe und war ursprünglich ein Teil des Familienwappens der Wittelsbacher. Die weißblauen Rauten gehen zurück auf das Wappen der Grafen von Bogen, die 1242 von den Wittelsbachern beerbt wurden. Der Weidenbaum ist die bildliche Darstellung des Stadtnamens.






Wissenswertes[Bearbeiten]

Porzellanstadt Weiden[Bearbeiten]

Porzellanfabrik Bauscher

In Weiden befinden sich zwei der weltweit bedeutendsten Porzellanfabriken. Die Gebrüder August und Konrad Bau- scher gründeten im Jahr 1881 die Porzellanfabrik Gebr. Bauscher. Schwerpunkt ist heute die Produktion von Geschirr für die Gastronomie. Sehr stolz ist man bei Bau- scher auf die Tatsache, dass sowohl das Hotel Sacher in Wien als auch das Burj al Arab in Dubai auf Qualität aus Weiden setzen. Wilhelm Christian Seltmann (geb. 1870) gründete im Jahr 1910 in Weiden die Porzellanfabrik Christian Seltmann für Gebrauchs- und Luxusporzellan. Die moderne Ausrichtung von Seltmann zielt auf den Privatkunden ab, der qualitativ hochwerti ges Tafelgeschirr liebt und auch schätzt. Bis heute sind beide Firmen wichtige Arbeitgeber für die Stadt Weiden und die gesamte nordoberpfälzische Region.

Tagungs- und Kongressstadt Weiden[Bearbeiten]

Max Reger Halle, Tagungs- und Kongresszentrum

Im Jahr 1991 öffnete die Max-Reger-Halle als Kultur- und Kongresszentrum ihre Pforten. Der mehrfach ausgezeichnete Veranstaltungsbau kann von Kleinstgruppen bis zur maximalen Hallenbelegung von 900 Personen individuell konfiguriert werden. Die angeschlossene Gastronomie und ein umfangreiches Hotelangebot in der Stadt locken große Kongresse und auch kleinere Privatveranstaltungen mit gehobenem Ambiente nach Weiden.

Max-Reger-Stadt Weiden[Bearbeiten]

Max Reger

Weiden schmückt sich gerne mit dem Attribut „Max-Reger-Stadt“. Geboren wurde jedoch der Komponist Max Reger im etwa 50 km entfernten Brand/OPf. Er verbrachte seine Jugend in der Stadt und schrieb hier auch vor allem die große Kompositionen für Orgel. Gerade in den Anfängen seiner beruflichen Tätigkeit kehrte er immer wieder krankheitsbedingt in seine Wahlheimat zurück.

Hochschulstadt Weiden[Bearbeiten]

Auf Beschluss des bayerischen Kabinetts wurde 1991 der Hochschuldoppelstandort Amberg Weiden ins Leben gerufen. delt alle Aktivitäten des Technologie-Transfers zwischen der technischen Hochschule und der regionalen Wirtschaft. Kernaufgabe ist die Umsetzung anwendungsorientierter Forschungsergebnisse.

Historisches[Bearbeiten]

Kurzer historischer Abriss[Bearbeiten]

1241 erste urkundliche Erwähnung
1427 Gemeinschaftsamt Parkstein-Weiden
1515 2140 Einwohner
1536 und 1540 große Stadtbrände
1613 Pestepedemie
1634 Angriff durch Schweden, Pest
1638 Pestepedemie
1796 Eroberung durch Franzosen
1806 Angliederung an Bayern
1809 Durchzug österreichischer Truppen
1815 Durchzug russischer Truppen
1863 Eisenbahnanschluss
1890 Elektrizität in Weiden
1945 Bombenangriff
1980 Eröffnung Neues Rathaus
1991 Eröffnung Max-Reger-Halle
1994 Hochschule Amberg Weiden
ab 2015 Neugestaltung Innenstadt

Die merkwürdigsten Begebenheiten vom dreizehnten Jahrhundert bis auf gegenwärtige Zeiten.[Bearbeiten]

Der erste Chronist der Stadt Weiden Joseph Sintzel hat in seinem Versuch einer Chronik über die Stadt Weiden ein bemerkenswertes Kapitel verfasst, das einen Blick in längst vergangene Zeiten ermöglicht.

Joseph Sintzel

Wie Weiden sich nach und nach vergrösserte, und an verschiedene Regierungen kam, wurde, soviel möglich war, dargethan. Nun folgen in einem Nachtrage die verschiedenen merkwürdigen Begebenheiten derselben, welche ich theils aus gedruckten, theils aus ungedruckten Schriften gezogen habe.

12.-16. Jahrhundert[Bearbeiten]

  • 1289. Dieses Jahr hatte fast gar keinen Winter; in den Gärten schlugen nicht nur die Bäume aus, sondern trieben auch Blüthen.
  • 1315. Es herrschte großer Getreidemangel und Hungersnoth.
  • 1335. Ungemeine Theurung machte auch dieses Jahr merkwürdig.
  • 1337. Ein fürchterlicher Komet erschien, und zeigte sich beinahe drei Monate lang am Himmel.
  • 1345. Man sah grosse, sonderbare Zeichen an der Sonne und an dem Monde.
  • 1415. War eine schreckliche Sonnenfinsterniß, und der Sommer so naß, daß den Feld- und Gartenge-wächsen viel Schaden zugieng.
  • 1420. Der Sommer war überaus heiß, so, daß eini-ge Bäume zweimal Obst trugen, das Getreide bis Os-tern vollkommene Aehren hatte, und um Philippi schon Rosen blühten;– leider aber verdarb im Monat Juni darauf ein heftiger Reif und der vielgefallene Schnee alles so, daß Mangel an Lebensmitteln die Folge davon war.
  • 1437. Theurung suchte die Menschen auch in die-sem Jahre wieder heim.
  • 1439. Wüthete das sogenannte grosse Sterben.
  • 1491. Getreidetheurung verursachte zuletzt Hun-gersnoth.
  • 1512. Der Winter war äußerst strenge. Mehrere Menschen sollen im Schnee ihr Leben verloren haben.
  • 1521. Bedenkliche Krankheiten öfneten vielen Menschen das Grab.
  • 1529. Der Frühling war zu warm, und der Sommer zu naß.
  • 1530 und 1531. Wiederholte Theurung und am En-de Hungersnoth drückte auch in diesen Jahren die Menschheit.
  • 1536. Eine schreckliche Feuersbrunst äscherte bei-nahe die ganze Stadt ein.
  • 1538. Kaum hatten sich die meisten Gebäude wie-der aus ihrem Schutte erhoben, so wurden sie zum zweitenmale ein Raub der wüthenden Flammen.
  • 1571. Der Winter war so strenge und kalt, daß viele Reisende auf der Strasse den Tod fanden.
  • 1578. Am 10ten Oktober erschien ein Komet, wel-cher einen graufarbigen, dunkeln, gegen Morgen gewendeten Schweif hatte.
  • 1590. Ein zu heißer Sommer verursachte allgemei-nen Wassermangel.

17.Jahrhundert[Bearbeiten]

  • 1613. Bedenkliche, am Ende pestartige Krankheiten machten dieses Jahr merkwürdig.
  • 1617. Am 31ten Oktober, dann am 1sten und 2ten November wurde von der protestantischen Kirchenge-meinde, zu Folge eines Befehls des Pfalzgrafen August d. d. 15ten Oktober, das Reformations-Jubiläum gefeyert.
  • 1619. Im Monate September reiste Friedrich V. Churfürst von der Pfalz und König in Böhmen von Heidelberg aus über Amberg hier durch nach Waldsassen, und von da über Eger nach Prag.
  • 1621. Im Sommer kam eine Abtheilung Mannsfeldischer Cavallerie, und trieb die ganze, ausser der Stadt weidende Viehheerde in das Lager bey Waidhaus. Die Bürgerschaft eilte zwar unter Anführung des Bürgermeisters Balthasar Weißmann sogleich bis in das Lager nach, erhielt aber nicht ein einziges Stück mehr davon, sondern mußte noch obendrein froh seyn, daß man ihr gnädigen Abzug gönnte.– Zwei der Tapfersten mit Namen Johann Pfützner und Wilhelm Langenfelder verloren dabey das Leben. Als hierauf General von Mannsfeld die Stadt Pfreimdt belagerte, und die hiesigen Bürger dahin Viktualien vermarquedentiren durften, wurden mehrere derselben auf dem Rückwege erschlagen, worunter sich auch der Rathsherr Friedrich Meyer befand.
  • 1622. Am 9ten May kam eine 10,000 Mann starke Kaiserl. Armee unter dem Commando des General Don Cordua und marschirte am andern Tag wieder ab. Am 9ten Juny rückte ein Herzog von Holnstein mit 1000 ausgezeichnet schönen Kürassiren ein, und übernachtete dahier. Am 29ten Juni kam wieder ein Regiment unter dem Kommando des Fürsten Albrecht von Sachsen-Lauenburg, welchem Herzog August von Sulzbach entgegengereist war, hier an, und gieng am andern Tag wieder ab. Am 7ten Juli zogen 25 Cornette pohlnischer Kosacken unter dem Fürsten Razevil durch.
  • 1626. Ist in der Pfingstwoche die Blüthe des Wintergetreides erfroren, und grosse Theurung entstanden. Das Achtel Korn kostete über 7 fl.–
  • 1630. Kam der Kaiserl. General Herzog Albrecht von Friedland mit vielen Adelichen und Stabs-Offizieren an, und verweilte einige Tage lang in der Stadt.
  • 1632. Churfürst Maximilian I. von Baiern führte am 22ten Juni seine ganze Armee in die dasige Gegend, hielt sich mit seinem Generalstabe acht Tage lang in der Stadt auf, und brach dann gegen Tirschenreut auf, allwo er sich mit Wallensteins Truppen vereinigte. Am 1., 2. und 3ten Juli kamen beide Armeen wieder durch und nahmen ihren Marsch gegen Nürnberg. Am 10ten darauf versetzte ein fürchterliches Don-nerwetter die Bewohner Weidens in grosse Furcht. Es fielen dabey Hagelsteine, von Größe der Hühnereyer, und Theurung war das Resultat davon.
  • 1633. Am 12ten Februar kamen von Neustadt her 600 Mann, welche mit Gewalt in die Stadt dringen woll-ten, und deswegen schon eine große Oeffnung in das Niklasthor gemacht hatten. Die tapfern Bürger stellten sich aber auf den Mauern zur Gegenwehr, und er-schossen ihnen ein Pferd, worauf sie gegen Schirmitz zogen. Am 10ten März kamen 300 Mann davon wieder zurück, wurden in die Stadt gelassen und verpflegt, betrugen sich aber ziemlich unordentlich. Am 4ten November kam Philipp Graf von Pappen-heim mit seinem 600 Mann starken Infanterie-Regimente in die Stadt.
  • 1634. Reiste derselbe gleich anfangs nach Eger, und ließ sein Regiment mit dem Oberstwachtmeister Bernhard Panier als Besatzung zurück. Am 6ten Februar forderte der Pfalzgräflich Birkenfeldische Generalmajor von Vitzthum im Namen der Krone Schwedens durch einen Trompeter, mit verbundenen Augen, die Stadt zur Uebergabe auf; das Besatzungs-Kommando gab aber solches nicht zu, und schickte den Trompeter unverrichteter Sachen wieder ab. Am andern Tage früh marschirte die feindliche Armee von Neustadt auf den sogenannten Rehbühl, hielt daselbst Revüe, und rückte in gerader Linie vom Berge gegen die Stadt herab. Die Reiterey wurde auf die Wachtpos-ten verteilt, die Infanterie begab sich zu den Städeln vor dem Lederer-Thor, und der General in die Ordegelmühle. Abends öffneten die Feinde das Vorstadt-thor und fiengen sogleich an, die Stadt zu beschießen. Dagegen warf die Besatzung vom großen Rondel im Kalkzwinger, Granaten und andere zündende Materien in die Vorstadt, wodurch diese in kurzer Zeit fast gänz-lich in rauchende Schutthaufen verwandelt wurde. Die Belagerer brachten aber in der Nacht während eines Kleinengewehrfeuers zwey Kartätschen in die ge-mauerte Spitalschupfe außer der Stadt, und kaum war der Morgen erschienen, so beschossen sie von da aus die ohnehin schon stark erschütterten Stadtmauern herwärts des Wasserthurms so heftig, daß sie einstürzten, und der Feind mit geringer Anstrengung einen siegreichen Sturm hätte unternehmen können. Vergebens war nun alles Verbauen der beschossenen Reviere; und die Besatzung musste kapituliren. Sie erhielt dadurch freien Abzug mit blossen Untergewehren, welcher um 1 Uhr richtig geschah, und ersterwähnter General, welchem der Sulzbachische Landschreiber Michael Meyer mit den Magistratspersonen entgegenge-gangen war, und Glück gewünscht hatte, zog siegreich ein, und nahm im Gasthofe zum weißen Rößlein sein Absteigquartier. Der General verweilte jedoch nicht lange in Weiden, sondern brach bald wieder auf und marschirte nach Nabburg. Dort vereinigte er seine Truppen mit der Armee des Herzogs Bernhard, und beide kamen nach Weiden zurück, blieben dort 7 Tage lang, und brachen, nachdem sie einen Kriegsrath gehalten hatten, gegen Waldeck auf. Zur Besatzung blieben 500 Mann mit dem Oberstwachtmeister Heinrich Rüdinger und den beiden Hauptleuten Hans Christoph Großeck und Jo-achim von Schlaberndorf zurück. Am 10ten May erbeutete ein Trupp Kaiserl. Solda-ten bey der Köpfgrube mehrere Stücke Vieh. Die Bür-gerschaft eilte sogleich mit der Besatzung den Räubern nach, erhielt aber nichts zurück, da im Walde bey Frauenricht gegen 500 Reiter versteckt lagen, die hervorbrachen, über sie herfielen, und vier tapfere Bürger niederstreckten. Diese waren Hans Neidt, Jakob Leithäuser, Niklas Oblander und Erasmus Beerschmidt. Als im nämlichen Monate die Stadt Regensburg wiederholt belagert wurde, hörte man am 24ten und 25ten allhier deutlich das Donnern des schweren Geschoßes. Im nämlichen Jahre wüthete hier die so genannte ungarische Krankheit und späterhin die Pest so sehr, daß vom 17ten August bis zum 6ten November 1800 Menschen, und darunter auch die drey Bürgermeister Zacharias Oetterer, Adam Prueschenken und Daniel Ruffen, davon dahingerafft wurden. An manchem Tage zählte man gegen 30 Todte; und damit die gleiches Schicksal ahnenden Einwohner durch den Anblick so vieler Leichen nicht in noch größere Bestürzung gebracht würden, führte man die Leichname auf einem, mit einer schwarz wollenen Decke überzogenen und nur mit einem Ochsen bespannten Wagen, dessen Räder mit Filz belegt waren, ohne Glockengeläute und Gesang in den Garten des Bürgers Christoph Koch, neben dem schon vollen Gottesacker, und warf sie dort haufenweise in große, ausgehobene Gruben.
  • 1635. Am 10ten May rückte der Churpfalz-baier’sche General-Feldzeugmeister Graf von Waal mit zwey Regimentern in Infanterie und Cavallerie nebst Artillerie an, schlug zuerst bei Frauenricht, dann beym Gottesacker sein Lager, und ließ von da aus mit zwei Feldschlangen den Thurm bei der Stadtmühle be-schießen. Da er aber gemerkt hatte, daß diese Stadt-seite zu sehr befestiget sey, führte er nächtlicher Weile sein Militär durch den Siechenweiher, welcher damals kurz vor seiner Ankunft abgelassen und ausgefischt worden, folglich ziemlich trocken war, zog in gerader Linie vor das Thor der Niklas-Vorstadt, zündete dieselbe an, und pflanzte seine Mörser und sein übriges Geschütz auf. Sogleich begann nun das Bresche schießen, welches drei Tage fortgesetzt wurde, und die Einwohner nicht wenig beunruhigte; denn es fielen bey 200 Kartätschen und eben so viele Bomben in die Stadt. Doch die Hand der Vorsehung wachte für die bekümmerten Bewohner der Stadt so väterlich, daß ausser der Stadtmauer und dem untern Thorthurme, auf welche der Feind sein besonders Augenmerk richtete, und durch das anhaltende Beschießen ihren Einsturz bewirkte, kein anderes Gebäude eine hauptsächliche Beschädigung erlitt. Am 13ten May in der Frühe um 1 Uhr unternahm der Feind einen heftigen Sturm, erstieg die Wälle, und ward Eroberer. Plündern, Gotteslästern, Unzucht aller Art – selbst im Heiligthume – und schreckliches Blutvergießen waren die Folgen dieses unglücklichen Morgens. Noch heutiges Tages wird um die nämliche Stunde zum ewigen Andenken dieser Schreckensscene die kleinste Glocke auf dem Pfarrkirchthurme geläutet. Dem General mußten die Magistratsglieder mit entlehnten Hüten 1500 fl. und dem Oberst Schlezer 300 fl. nebst andern Geschenken, deren Werth sich auf 200 fl.– belief, überreichen, dagegen eine geringe Besatzung zugesichert wurde.
  • 1638. Zeigte sich die Pest noch einmal, jedoch mit geringeren Folgen.
  • 1646. Am 8ten Februar kann die ganze Chur-pfalzbaierische Armee aus Böhmen, und hielt sich acht Tage lang hier auf. Der Generalstab bestand aus vier Generälen, 1 Generalkommissär und vielen Stabsoffi-zieren nebst Adjutanten.
  • 1648. Am Palmsonntag zogen die Churpfalzbaiern unter dem Commando des Oberst Waldpott ab, und der schwedische General Königsmark nahm hierauf die Stadt in Besitz, forderte 200 bespannte Wägen und 1000 leere Säcke, und marschirte über Neustadt und Tirschenreut, indem er auf dem Marsche alles Getreide wegnahm, nach Eger, um diese von den Schweden besetzte Stadt zu verproviantiren. Am Freitag vor Pfingsten kam er wieder mit der ganzen Armee zurück; und, nachdem er bey Etzenricht ein Lager geschlagen, die Stadt befestiget und überall Contributionen beigetrieben hatte, brach er am 25ten Juny wieder auf.
  • 1650. Der Befehlshaber Major von Hagen verkaufte das errichtete Getreidemagazin, das aus 6000 Achteln bestand, um sehr billige Preise, und marschirte am 9ten August ab. Die Schlüssel der Stadt übergab er dem kurz vorher angekommenen Churpfälzischen Truppen, wogegen Pfalzneuburg förmlich protestirte.
  • 1652. Am 12ten August empfieng der Churpfälzi-sche Gesandte Dr. Hans Ludwig von Mieg die Huldigung. Am 28ten September sind Se. Churfürstliche Durchlaucht Karl Ludwig, von Heidelberg hier angekommen, und am 1sten Oktober wieder nach Prag abgereist. Am 22sten November hat Johann Zeiler, evangel. lutherischer Stadtmüller, seinen Eidam, als Hochzeiter, eines verweigerten Trunkes wegen mit einem Messer erstochen, worauf er in Untersuchung gezogen und enthauptet worden ist.
  • 1653. Am 9ten Januar zogen die Churpfälzischen Truppen ab.
  • 1656. Am 4ten März beglückte Pfalzgraf Christian August, Herzog zu Sulzbach die Stadt Weiden mit seiner hohen Ankunft, reiste aber nach zwei Tagen wieder ab.
  • 1658. Den 30ten May sind der Bürgermeister Bötti-ger und Stadtsyndikus Wolfhard durch 4 Reiter nach München transportirt worden, weil sie dem Churfürsten von Baiern den Vikariatstitel verweigerten.
  • 1659. Erschlug ein von der äußern Schlagbrücke im Aufziehen herabgefallenener Balken einen Offizier und einen Braumeister.
  • 1660. Am 1sten August kamen Se. Eminenz, Kardi-nal und Bischof von Regensburg unter dem Donner der Kanonen an, hielten am andern Tage als am Feste Portiunkula das feyerliche Hochamt, speisten dabei über 100 Menschen, und reisten darnach gegen Wald-sassen ab.
  • 1662. Durch lange und grosse Dürre ist eine solche Getreidetheurung entstanden, daß der größte Theil der vom Gelde entblößten Bürgerschaft den Bettelstab ergreifen musste. Am Maria Magdalena- und Anna-Tage beglückte Herzog Christian August mit seiner Gemahlin die hiesige Pfarrkirche mit seiner hohen Gegenwart. Während der Absingung des Te deum wurde aus vier Kanonen gefeuert.
  • 1680. Im Monate Dezember, wo eine außerordentli-che Kälte war, sah man einen großen Kometen.

18.Jahrhundert[Bearbeiten]

  • 1702. Dieses Jahr hatte gar keinen Winter.
  • 1703. Im Januar war es sehr strenge kalt.
  • 1706. Am 12ten May entstand eine so grosse Son-nenfinsterniß, daß es eine Viertelstunde lang so finster, wie um Mitternacht gewesen seyn solle, und viele abergläubische Menschen in Schrecken und Angst gerieten.
  • 1709. War einer der kältesten Winter.
  • 1714. Am 13ten August hat der vielgeliebte Herzog Theodor zu Sulzbach die Huldigung als allein regieren-der Herr auf dem Rathhause persönlich empfangen.
  • 1717. Am 31ten Oktober, dann am 1sten und 2ten November wurde von der protestantischen Kirchenge-meinde das 2te Reformations-Jubiläum gefeyert.
  • 1724. Der ganze Winter war ohne Schnee, und am 19ten Februar hatte man schon der blauen Veilchen die Menge.
  • 1732. Am 16ten Oktober empfieng Se. Durchlaucht Herzog Johann Christian auf einer, auf dem Marktplat-ze eigens errichteten, Bühne die Huldigung.
  • 1739. Ein sehr strenger Winter dauerte bis zum An-fange des Monats May.
  • 1740. Theurung war die Folge der vorhergegange-nen langen Wintersstrenge.
  • 1741. Im Monate Oktober quälte die Stadt eine französische Armee mit ihren außerordentlichen Forderungen.
  • 1744. Erschien ein grosser Komet, der sich lange Zeit hindurch sehen ließ.
  • 1747. Am 18ten Juni reisten Ihr. Königl. Hoheit, die älteste Prinzessin von Baiern, Maria Antonia Walburga, als versprochene Braut des Churprinzen von Sachsen, und am 9ten Juli die Königl. pohlnische und chursächsische Prinzessin Maria Anna Sophia als versprochene Braut des Churfürsten von Baiern, Maximilian Joseph, durch.
  • 1762. War eine solche Dürre, daß es vom Monate May bis Juni gar nicht regnete, welches eine außeror-dentliche Theurung nach sich zog.
  • 1769.1770 und 1772. Die Theuerung und Hungersnoth dieser drei Jahre waren so groß, daß sie allenthalben noch unter dem Namen der theuern Zeit bekannt sind.
  • 1775. War ein so strenger Winter, daß dadurch viele Obstbäume erfroren, ja sogar mehrere Menschen und Thiere zu Grunde giengen.
  • 1777. Am 30ten Dezember starb Maximilian Joseph III., Churfürst von Baiern, der letzte Sprosse aus der Ludwig’schen Linie. Karl Theodor, Churfürst von der Pfalz, ein Wittelsbacher, aus der Rudolphinischen Linie bestieg zu Folge der gemeinsamen Abstammung und der Hausverträge Baierns erledigten Thron.
  • 1784 und 1785. Waren sehr strenge Winter. Sehr viele Obstbäume sind erfroren, und vor Mitte des Mo-nats April kam kein Pflug in die Erde.
  • 1787 und 1788. Der Winter war in beiden Jahren so gelinde, daß im Jänner schon die Bäume aufbrachen, die Weiden und Birken roth wurden, und die Finken schlugen.
  • 1794. Sah man eine totale Sonnenfinsterniß.
  • 1796. Die französische Staatsumwälzung ließ auch Weiden etwas von dem bittern Kelche des Krieges kosten. Im Monate Oktober hatte es das Glück, Se. Churfürstl. Durchlaucht Carl Theodor, den beßten Landesvater und seine durchlauchtigste Gemahlin, Höchst-welche auf Ihrer Rückreise von Dresden nach München hier übernachteten, verehren zu können.
  • 1797. Am 5ten Oktober zwischen 7 bis 8 Uhr Abends brach in der sogenannten Thürlgasse Feuer aus, und legte 4 Häuser sammt Stallungen und Schup-fen in die Asche.

19.Jahrhundert[Bearbeiten]

  • 1800. Am 4ten Juli Abends kamen Se. Churfürstl. Durchlaucht Maximilian Joseph mit Ihrer durchlauch-tigsten Frau Gemahlin, den Prinzen und Prinzessinnen, und dem ganzen Hofstabe unter dem Frohlocken aller Bewohner, dem Geläute aller Glocken, unter Pauken- und Trompetenschall, und unter dem freundlichsten Willkomme der gesammten Schuljugend hier an, und stiegen in der Veste, damals vom Rentbeamten Herrn Malzer bewohnt, ab. Se. Churfürstl. Durchlaucht wohnten Tags darauf mit Höchstihren Prinzen und Prinzessinnen bey St. Sebastian der heil. Messe bey, nahmen den ganzen Tag über mit Höchstihrer durchlauchtigsten Frau Ge-mahlin die Aufwartung des in der Gegend herum be-findlichen Adels, der Geistlichkeit, der Beamten und des Magistrats auf das huldvollste an, gestatteten Jedermann ohne Rücksicht des Standes freien Zutritt, besahen die hiesige Gegend, sprachen mit Jedem aufs liebreichste, und kein Armer gieng ohne reichliche Unterstützung, so wie kein Bedrängter ohne Trost hinweg. Abends war auf dem Platze vor der Rentamts-wohnung Janitschaaren- und Instrumentalmusik, wo-runter die wonnetrunkenen Einwohner ihren Freudenjubel mischten. Am dritten Tage vormittags reisten die Prinzen und Prinzessinnen mit Ihrer Dienerschaft nach Waldsassen ab, und nachmittags traten Ihre Churfürstl. Durchlauchten mit Ihrem Gefolge unter Paradirung des sämmtl. Bürgermilitairs die Reise nach Amberg an – begleitet von den Thränen und heißesten Segenswünschen aller Einwohner und einer unzählichen Menge fremder Zuseher. Se. Durchlaucht der Churprinz Ludwig Karl August, kamen mit höchst Ihren übrigen Geschwistern nach mehreren Wochen auf der Durchreise von Waldsassen nach Amberg wieder hier an, nahmen in der Rentamts-wohnung das Absteigquartier, unterhielten sich aufs huldvollste mit der aufwartenden Schuljugend, und setzten nach aufgehobener Tafel die Reise weiter fort.
  • 1806. am 12ten Jänner feierte auch die Stadt Weiden die Annahme der Königswürde ihres allgeliebten und angebeteten Landesfürsten Maximilian Joseph. Schon vor Tages Anbruch weckte das Gekrache der Pöller und der frohen Pauken- und Trompetenschall die Einwohner zu diesem festlichen Tage, und in kurzer Zeit hörte man in allen Gassen nichts als Jubel, Freudenlieder und Schießen aus dem Kleingewehr. Nach dem feierlichen Gottesdienste beider Religi-onstheile wurde unter dem Geläute aller Glocken und unter Paradirung des gesammten Bürgermilitairs durch einen Herold zu Pferd, begleitet von mehreren Trompetern, auf den öffentlichen Plätzen der Stadt das Königl. Proklama verkündet, und nach jeder Vorlesung desselben erscholl es aus dem Munde von Hunderten der freudetrunkenen Einwohner: Es lebe unser allgeliebter König, Max Joseph! Es lebe unsere angebethete Königin, Caroline! Hoch lebe unser theuerster Kronprinz und das ganze Königl. Haus! – Darauf wurde das Königl. Proklama an der Königl. Rentamtswohnung, an dem Rathhause und an den Stadtthoren angeschlagen. Abends war in mehreren Gast- und Privathäusern Tanzmusik, und an mehreren Wohnungen sah man hübsche Beleuchtungen. Am andern Tage feierte die katholische Schuljugend dieses Fest. Die Schüler und Schülerinnen zogen mit ihren Lehrern klassenweis von den Schulen in die Pfarrkirche; und als ihnen dort in einer kurzen Anrede der Zweck dieses Festes und Liebe und Gehorsam gegen ihren allergnädigsten König ans Herz gelegt worden war, zogen sie unter Trompeten- und Paukenschall in schönster Ordnung durch die Strassen der Stadt, und zierten die angehefteten Proklama mit Blumenkränzen, wobei sie jedesmal mit ihren gerührten Eltern das Volkslied: Heil unserm König absangen. Dann kehrte der freundliche Zug auf die Schulen zurück, wo die Schüler und Schülerinnen auf Kosten mehrerer Jugendfreunde Erfrischungen erhielten, und dabey ihre Schullieder absangen. Den Beschluß dieses Nationalfestes machte die hiesige Resource-Gesellschaft, welche sich i. J. 1804 bildete, mit einer passenden Instrumental- und von dem dortmaligen Chor- und Schulrektor, Jos. Dominikus Sintzel, eigens dazu verfertigten Vokalmusik, Ball und einer geschmackvollen Beleuchtung.
  • 1807. Die Kornärnte war sehr ergiebig.
  • 1809. Bedenkliche Krankheiten stellten sich ein. Auch marschirten vor und nach Ostern gegen 50,000 Mann K. K. österreichischer Truppen hier durch, und eine Zeit darauf gegen 25,000 französischer und Kö-nigl. sächsischer Truppen, unter dem Kommando des französischen General-Feldmarschalls, Herzogs Ber-nadotte.
  • 1811. Der Sommer war überaus heiß.
  • 1814. Eine epidemische Krankheit raffte viele Menschen weg. Mehrere Tausende Kais. russischer Truppen marschirten durch, wovon mehrere Abtheilungen Rasttag hielten. Am 14ten August trafen Se. Königl. Hoheit, Prinz Carl, auf Ihrer Durchreise unter dem frohlocken aller Einwohner in Weiden ein.
  • 1815. Am 15ten, 17ten und 19ten May, dann am 4ten, 6ten, 7ten, 9ten, 10ten, 18ten und 19ten Juni durchzogen mehr als 40,000 Mann Kais. russischer Truppen Weiden, und zwei Kolonnen davon hielten Rasttäge.
  • 1816. Am 10ten Juny war eine totale Mondsfinsterniß. Am 19ten November war von 9 bis 11 Uhr vormittags auch eine totale Sonnenfinsterniß; es war einige Minu-ten lang so finster, daß man weder schreiben noch lesen konnte. Am 28ten November Abends wurde von dem kathol. Stadtpfarrer Herrn Roggenhofer, und einigen Musikfreunden die Vermählung Sr. Majestät des Kaisers Franz von Oesterreich mit I. Königl. Hoheit der Prinzessin Charlotte von Baiern durch Janitschaa-renmusik, von passenden Singchören begleitet, öffentlich gefeyert, worunter der katholische Pfarrhof sehr geschmackvoll beleuchtet war. Häufige Donnerwetter mit gewaltigen Regengüssen und Hagel, so wie überhaupt das den ganzen Sommer hindurch anhaltende Regenwetter verdarben in diesem Jahre alle Feldfrüchte, die anfangs die reichlichste Erndte versprachen, so, daß eine allgemeine Theurung vorauszusehen war. In der Umgegend ließ sich auch ein Wolf blicken.
  • 1817. Die wegen der vorjährigen Mißerndte ent-standene Theurung nahm immer zu, und die Preise aller Lebensmittel stiegen des unerhörten Wuchers und aufgezehrten Vorrathes wegen auf einen solchen Grad, daß die Geschichte wenige Beispiele davon wird aufweisen können. Doch der Herr erbarmte sich seines tief gebeugten Volkes; eine ergiebige Erndte erfolgte. Unter frommen Jubel begleitete man also am 30ten Juli auch hier die ersten, mit Blumen und Kränzen gezierten Getraidewägen in die Stadt, und eilte der Kirche zu, um Gott für seinen milden Segen mit Gebeth und Gesange zu danken. Am 16ten Juny um 1 Uhr sah man um die Sonne einen blutrothen Streif. Am 31ten Oktober, so wie am 1ten und 2ten No-vember feyerte die evangel. lutherische Kirchenge-meinde ihr drittes Reformations-Jubiläum.
  • 1818. Der 8te Juny, an welchem von dem Königl. Baier. Landgerichte Neustadt a. d. W. N. die neue Ver-fassung des Königreichs Baiern, vom 26ten May be-kannt gemacht wurde, war für die Stadt Weiden einer der feyerlichsten und frohesten Tage. Nach zweckmä-ßiger Veranstaltung des Königl. Landrichters, K. Frei-herrn von Lichtenstern, wurde am Vorabend dieser Tag durch die Musik der hiesigen Landwehr angekündiget, und am folgenden Morgen mit Pöllerschießen und Musik begrüßt. Bald darauf versammelte sich die hiesige Landwehrdivision und empfieng die von Neustadt kommende Kompagnie, welche sich zur Verherrlichung dieses Festes hieher verfügte. Gegen 8 Uhr erschienen auf Einladung des Königl. Landgerichts, die in demselben ansäßigen Adelichen, die weltlichen und geistlichen Staatsdiener, die Vor-stände von hier und Neustadt, zwei Individuen vom hiesigen Handlungsstande und die übrigen Ortsvor-stände der Landgerichte liegenden Ortschaften, in der hiesigen Königl. Rentamtswohnung. Nach 8 Uhr traf der Königl. Landrichter mit dem übrigen Landgerichts-personale ein, und wurde von der in der Hauptstrasse aufgestellten Landwehr feyerlich empfangen und mit Pöllerschießen begrüßt. Hierauf zog man, unter Paradirung derselben und Voraustretung 24 nationalfarbgekleideter, mit Blumen versehener Mädchen aus der hiesigen kathol. und evangel. lutherischen Konfession, und unter dem Wechsel der Landwehrmusik mit Trompeten und Pauken vom Kirchthurme und Rathhause, auf den zu dieser Feierlichkeit eingerichteten und am Eingange mit einem Triumphbogen geschmückten Rathhaussaal, wo unter einem Thronhimmel das Bildniß unsers allergnädigsten Königs aufgestellt war, auf dessen Stufen Blumengefäße standen, wo auch die Mädchen ihre Sträuße niederlegten. Das Bürgermilitär zog einen Kreis um die für die Versammelten bereiteten Sitze. Eine gehaltvolle Eingangsrede eröffnete den feierli-chen Akt; dann folgte die Vorlesung der Verfassungs-urkunde, und der vorgeschriebene Eid wurde abgelegt. Hierauf erscholl ein enthusiastisches Lebehoch dem besten Vater des Vaterlandes, dem erhabenen Thronerben, und der ganzen hohen Königl. Familie, welches sich öfters durch die Strassen der Stadt von Erwachsenen und Kindern verbreitete. Während des Aktes und der Unterzeichnung desselben und der Dankes-addressen wurde aus Pöllern gefeuert, und der Gesang der Schuljugend beider Konfessionen: Heil, unserm König Heil! wechselte mit der übrigen Musik ab. Dann begab sich die Versammlung in der vorigen Ordnung in die hiesige simultanische Stadtpfarrkirche, deren Eingänge mit Triumphbögen geziert waren, wo man beide Konfessionen zu einem Gottesdienste ver-einiget sah, der wohl höchst selten in ähnlichen Fällen gefeiert worden ist, und dem Anbeter Gottes im Geiste und in der Wahrheit den rührendsten Anblick gewährte. Die evangel. lutherische Geistlichkeit der Stadt eröffnete denselben mit einem dazu verfertigten Gebete und einer darauf erfolgten Predigt; die katholische setzte die Feierlichkeit ununterbrochen fort durch ein Hochamt, wobei sich die Chormusik sehr auszeichnete, und schloß mit dem Te deum. Mit dem innigsten Danke gegen Gott und den aller-gnädigster König für das unschätzbare Geschenk einer auf das Wohl der Unterthanen berechneten Verfassung und mit der schönsten Hoffnung auf eine bessere Zukunft gieng der Zug auf das Rentamtsgebäude zurück, von wo aus man sich zu der, auf dem hiesigen Posthaus bereiteten Mittagstafel verfügte, und beim fröhlichen Mahle freudige Toaste auf das hohe Wohlseyn Sr. Majestät des Königs und der hohen Königl. Familie, so wie auf die neue Constitution aufbrachte. Ein Ball in dem Lokale der hiesigen Ressource beschloß dieses für alle Bewohner des Landgerichts Neustadt a. d. W. N. unvergeßliche Fest. Heil dem Könige, der in die Wohlfahrt und die Liebe seines Volkes sein größtes Glück setzt!

Historische Gebäude, Denkmäler und Plätze[Bearbeiten]

In Weiden befinden sich noch zahlreiche Spuren aus der fast 900jährigen Geschichte der Stadt

Egerländer Dudelsackspieler[Bearbeiten]

Max Reger Halle, Tagungs- und Kongresszentrum

Vor dem Oberen Tor befindet sich auf einem hohen Steinsockel eine Statue mit einem Dudelsackspieler. Das Denkmal wurde 1984 eingeweiht und erinnert an die frühere Egerländer und Oberpfälzer Dudelsacktradition.

Das Obere Tor[Bearbeiten]

Oberes Tor

Das Obere Tor ist eines von zwei Toren, die heute noch den Einlass zur Altstadt markieren. Sein Vorläufer wurde während der Errichtung der Verteidigungsanlagen im Mittelalter gebaut. Der jetzige Bau stammt aus dem Jahre 1911. Das alte Tor musste zugunsten einer größeren Durchfahrt weichen.

Historische Stadtmauern[Bearbeiten]

Historische Stadtmauer

Hinter dem Oberen Tor, bringt einen Blick in östliche Richtung auf Teile der erhaltenen, mittelalterlichen Stadtmauer. Folgt man der Gasse „Hinterm Zwinger“ weiter, so bekommt man einen Eindruck von der Dimension der Stadtmauer. Es lohnt sich ein kurzer Blick in die restaurierten Maueranlagen. Der Zugang befindet sich in der Mauer unmittelbar in der Verlängerung der Pfan nenstielgasse. Ursprünglich bestanden die Wehranlagen aus einem doppelten Mauerring - einer hohen Innenmauer und einer niedrigen Vormauer. Dazwischen lag ein bis zu acht Meter breiter Zwischenraum, den man Zwinger nannte. Die Höhe der Mauern betrug bis zu neun Meter, der Durchmesser bis zu zwei Meter. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der größte Teil der Stadtmauern eingerissen und der Bauschutt verbaut. Die schönsten noch erhaltenen Mauerreste befinden sich in den Gassen „Hinterm Zwinger“, „Hinterm Wall“ und „Hinter der Schanz“. Dort wurden sogar teilweise die hölzernen Wehrgänge restauriert.


Ältestes Rathaus[Bearbeiten]

In der Pfannenstielgasse befindet sich in der Mitte eines Platzes ein nahezu freistehendes Ge bäude. Vermutlich ist hier das ältesten Rathaus Weidens. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist hier die Keimzelle der Stadt Weiden.


St. Michael und Gebeinhaus[Bearbeiten]

Evang. Pfarrkirche St. Michael

Über den schmalen Durchgang zwischen dem Kulturzentrum Hans Bauer und der ehemaligen Friedhofsmauer (gegenüber dem „Festen Haus“) gelangt man zu der wichtigsten Kirchenanlage des mittelalterlichen Weiden: St. Michael und sein Friedhof. Vom Friedhof ist allerdings nichts mehr zu sehen. Er umfasste ehemals einen Raum bis zur Häuserreihe am Oberen Markt, zur Schulgasse und zum Alten Schulhaus. Am Ende der später anstelle der Friedhofsmauer erbauten Häuserzeile tritt ein kleiner achteckiger Bau hervor. Dieser romanische Bau war früher Friedhofskapelle und Beinhaus (Karner) und beherbergt heute ein Lokal. Es ist anzunehmen, dass zumindest ein Vorläufer der St. Michaelskirche schon vor dem 15. Jahrhundert existiert hat, da aus Urkunden hervorgeht, dass 1396 ein romanischer Sakralbau dem Feuer zum Opfer gefallen ist. Während der Gotik begann man an Ort und Stelle eine neue Kirche zu errichten, deren Grundgestalt bis heute erhalten ist. Über dem Hauptportal ist die Jahreszahl 1448 als Baudatum angebracht und im Januar 1469 wurde die neue Kirche St. Michael geweiht. Die Innenausstattung entstammt hauptsächlich aus dem Barock. Der Amberger Bildhauer Friedrich Wagner schuf 1791 den barocken Hochaltar. Das große Altarbild malte der Sulzbacher Hofmaler Johann Karl. Es zeigt die Geburt Christi. Das kleinere Bild darüber, stammt von einem Regensburger Künstler, wahrscheinlich von Caspar Sing. Es stellt St. Michael dar, wie er den Teufel stürzt. Den Hauptaltar säumen zwei Engel und die beiden Apostel Petrus und Paulus als Holzfiguren. Geschnitzt hat sie der Amberger Schnitzer Friedrich Wagner, gefasst wurden sie von dem Sulzbacher Johann Karl. Weiteres beherrschendes Element der Kirche ist die Kanzel, die an einem der Stützpfeiler angebracht ist. Sie geht auf das Jahr 1787 zurück und wurde von dem Weidener Schreinermeister Kethnath gefertigt. Ihre endgültige Gestalt mit Ornamenten und Fassung erhielt sie von dem Weidener Joseph Andres bzw. dem Tirschenreuther Vitus Fuchs. Das Kirchengestühl mit dem überaus reichhaltigen Rokokoschnitzwerk stammt von dem Weidener Schreinermeister Michael Meiler. Abschluss des kurzen Besuchs, in St. Michael ist eine kurze Betrachtung der zahlreichen Grabplatten. An der Nordwand des Chores befindet sich eine Grabplatte aus rotem Marmor des Stadtrichters Michael Ermweig und seiner beiden Frauen. Die nächste Platte gehört zu Maria Franziska Amalia von Boslarn. Daran schließt sich die Gedenkplatte von Freiherr Augustin von Fritsch an. Im Chor an der Südwand findet man eine weiße Quarzgrabplatte mit der Abbildung zweier Kinder. Es sind dies Maria Salome und Christoph Michael, Kinder des Ratsherrn Philipp Silberschmidt. Sie starben 1632 im Alter von vier und einem Jahr. Eine ausführliche Führung mit einem Sachkundigen ist sehr empfehlenswert. Wir verlassen St. Michael durch das Hauptportal und gehen zum Kirchturm. Die beiden verheerenden Stadtbrände von 1536 und 1540 vernichteten große Teile der Michaelskirche. Erst 1575 wurde der Kirchturm neu erbaut, in deren Glockenstuhl übrigens noch heute die große Glocke aus dem Jahre 1540 zum Kirchgang ruft. Nach der Reformation (1522) brachte die Gegenreformation (1627) zahlreiche bauliche Veränderungen. In einer Nacht im März 1759 stürzte der inzwischen baufällige Kirchturm ein. Der Türmer und seine beiden Gehilfen fanden den Tod und es entstand großer Sachschaden: Der Chor mit dem Hauptaltar sowie der rechte Seitenaltar wurden zerstört. Die große Glocke blieb unbeschädigt und deren Lage im Schutt wurde mit einem Gedenkstein markiert. Dieser ist zwischen dem Kirchturm und dem Haus Pöllmann im Steinpflaster zu sehen. In den Jahren 1759 bis 1761 wurde die - inzwischen als Simultaneum (= evangeli sche und katholische Christen hatten das gleiche (simul) Nutzungsrecht) - genutzte Kirche im barocken Baustil wiederaufgebaut. Damit erhielt St. Michael im großen und ganzen die Gestalt, die noch heute zu bewundern ist.


Das Feste Haus[Bearbeiten]

Das „Feste Haus“ Wir folgen der Pfannenstielgasse und gelangen wieder zum Oberen Markt. Links befindet sich das Obere Tor und rechts daneben schließt sich ein sehr wichtiger Bau für Weidens Stadtgeschichte an: das „Feste Haus“. Es ist ein langgestreckter dreiteiliger Gebäudekomplex, der der Überlieferung nach 1493 von Herzog Heinrich dem Reichen erbaut wurde, vermutlich aber älter ist. Seiner schlichten äußeren Form sieht man nicht die Bedeutung an, die das Bauwerk lange Zeit innehatte. Der ursprüngliche Verwendungszweck war wohl Residenz. In einer Urkunde von 1404 ist bereits von einem Gebäude am Oberen Tor die Rede. Die heutige Bausubstanz ist damit sicher nicht identisch, denn die beiden großen Stadtbrände hatten auch dieses Gebiet ergriffen. Die Chronik berichtet, dass 1543 mit dem Wiederaufbau begonnen wurde. 1583 wäre das „Feste Haus“ beinahe zu einer fürstlichen Residenz ausgebaut worden, doch die Kurpfalz verbot Pfalzgraf Friedrich die Erweiterung. Friedrich residierte hier nur von 1587 bis 1590 und errichtete stattdessen in Vohenstrauß die Friedrichsburg. Später im 17. und 18. Jahrhundert - war es das Amtshaus der fürstlichen Pfleger und Richter, ehe es im 19. Jahrhundert Sitz des königlichen Rentamtes wurde. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts be findet sich das „Feste Haus“ im Privatbesitz. Die Gedenktafel neben dem Eingangsportal (erbaut 1534) verweist auf das Geburtshaus eines berühmten Mannes: Am 28. Oktober 1644 wurde hier Franz Ferdinand v. Rummel geboren. Er wurde 1705 zum Fürstbischof von Wien geweiht, wo er am 15. März 1716 verstarb und im Stephansdom begraben wurde. Ein Geheimtipp am Rande des Stadtrundgangs: Im Hof des „Festen Haus“ (der Zugang befindet sich an der hinteren Giebelseite) sind noch Überreste der alten Stadtmauer zu sehen. Hier stand bis 1861 der sogenannte Faulturm, ein Bestandteil der mittelalterlichen Befestigungsanlage. In den Anfängen diente er zunächst als Beobachtungsturm, später als Gefängnis.


Oberer Markt[Bearbeiten]

Dieser Vorplatz des Rathauses diente früher - im Gegensatz zum Unteren Markt, wo Wo chen- und Jahrmärkte stattfanden - offiziellen Anlässen. In der Weihnachtszeit findet hier alljährlich der stimmungsvolle Christkindlmarkt statt.

Altes Schulhaus[Bearbeiten]

Altes Schulhaus

Das Gebäude wurde ursprünglich für die Aufbewahrung des Getreides aus der Alt-Almosen-Stiftung (eines Wohltätigkeitswerkes für die Armen) gebaut. Ab 1566 war es die Heimat aller Schulen der Stadt (daher der Name) bis diese ab 1877 in eigene Gebäude übersiedelten. Die Anfänge dieses Baues reichen bis in die wohlhabenden Perioden der Stadt im Mittelalter zurück. Im Jahre 1529 entstand an der Nordwestseite des Friedhofs ein Getreidespeicher im Anschluss an das bereits bestehende Schulgebäude. Damit wurde die Ausdehnung erreicht, die noch heute zu sehen ist. Nach den beiden Stadtbränden wurde 1565 beschlossen, die Almosenstiftung und damit den alten Bau zu neuem Leben zu erwecken. Die heutige Gestalt des „Alten Schulhauses“ stammt aus dieser Zeit. Der Bau hat gewaltige Ausmaße: an der Giebelseite zählen wir bis unter die Dachgaube 7 Etagen mit insgesamt 30 Metern Höhe. Die Länge des Hauses beträgt 52 Meter. Die übereinander angebrachten Gedenktafeln in der Mitte der Längsseite zur Michaelskirche zeugen von den Neuaufbauten und Renovierungen. In den Jahren 1974 - 1979 wurde das Haus in ein Kulturzentrum mit dem Namen „Kulturzentrum Hans Bauer“ umgestaltet. Es wurde nach dem ehemaligen Oberbürgermeister Bauer benannt. Darin untergebracht ist das Kulturamt, Tachauer Heimatmuseum, der Kultursaal und eine städtische Galerie. An der nordwestlichen Längsseite befindet sich der Eingang zum Stadtarchiv und Stadtmuseum. Das Museum ist Montag bis Freitag von 9-12 Uhr und von 14 16.30 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Es lohnt sich ein Rundgang. Im 1.Stock befinden sich die Ausstellungsräume, die dem großen Komponisten Max Reger (1873-1916) gewidmet sind. Die Stadt Weiden trägt übrigens den Beinamen „Max-Reger-Stadt“, weil Reger seine Jugendzeit in Weiden verbrachte und in der Zeit zwischen 1898 und 1901 hier alle bedeutenden Orgelwerke komponierte (ein Denkmal befindet sich im Max Reger-Park). In den weiteren folgenden Räumen und Etagen des Stadtmuseums wurde mit viel Fleiß und großer Liebe, komplette Wohn-, Schlaf- und Küchenräume zusammengestellt. Anhand dieser Exponate kann man sich ein Bild über Leben und Brauchtum in und um Weiden machen. Die Räume sind thematisch gegliedert: Bürgerliches Wohnen in Weiden, Biedermeier, Handwerk, Aus Kirchen und Kapellen und weitere. Die freundlichen MitarbeiterInnen geben gerne Auskunft über das Museum und seine Schätze.

Renaissancehaus[Bearbeiten]

Zu den schönsten Häusern des Marktplatzes gehört der Bau in der Türlgasse 2. Verlässt man den Quergang des Rathauses in nördlicher Richtung zur Türlgasse hin, so steht man vor einem 1583 erbauten Patrizierhaus. Es wurde von dem Weidener Kaufmann Christoph Sand erbaut. Hervorstechendes Merkmal ist der zweigeschossige Renaissanceerker über dem Haupteingang.



Altes Rathaus[Bearbeiten]

Altes Rathaus

Beherrschendes Gebäude ist das heute sogenannte „Alte Rathaus“ . Das Ratsgebäude geht auf einen Bau zurück, der nach dem Brand von 1536 begonnen wurde. Doch schon lange vorher muss an dieser Stelle ein Rathaus gestanden haben. Dieses mittelalterliche Rathaus hatte wegen seiner zentralen Lage neben dem Ratssitz zahlreiche weitere Funktionen. Es war z. B. auch Kommunikations- und Einkaufszentrum für die ganze Stadt. So lassen sich schon für den Vorgänger des Gebäudes 16 Läden im Parterre nachweisen. Darunter befanden sich Goldschmiede, Wachszieher, Eisenwarenhändler, Kolonialwarenhändler usw. Die Pächter der Rathausläden verkauften alle Dinge für das tägliche Leben, vergleichbar mit einem modernen Supermarkt. Die Bäckerei - „Brotbank“ genannt - befand sich dort übrigens bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Unter der Leitung von Hans Nopl wurde 1539 begonnen, ein neues Rathaus auf den Grundmauern des abgebrannten zu errichten. Der zweite große Brand in der Weidener Stadtgeschichte verschonte zwar den Neubau, verhinderte aber die schnelle Baufertigstellung. Aus den beiden Bränden zog man Konsequenzen. Ein Gedenkstein am Unteren Markt erinnert an die Verbesserung des Stadtbaches. Dieser Wasserlauf führte mitten durch den Oberen Markt, durch das Rathaus und leitete ihn über den Unteren Markt durch die Untere Bachgasse ab. Innerhalb der Rathauspassage wurde er durch Steinplatten abgedeckt. Erst 1543 begann man mit dem Bau und der Fertigstellung des achteckigen Turmes. Im Jahre 1545 beginnt der Innenausbau im großen Stile. Aus dieser Zeit stammt auch die Holzdecke, die noch heute im großen Sitzungssaal zu sehen ist. Nach neun Jahren ist im Jahre 1548 der Renaissancebau fertig. Der Eingang befand sich übrigens nicht an der Stelle, wo man heute über die Freitreppe ins Innere des Rathauses gelangt, sondern an der Längsseite zur Oberen Bachgasse. Der neue Zugang stammt erst aus dem Jahre 1915. Der kleine Giebelvorbau und die Freitreppe zum ersten Stock wurden damals angegliedert. Seine ehemalige Bedeutung als Sitz des Bürgerrats hat das Rathaus mit der Einweihung des „Neuen Rathauses“ (1980) endgültig verloren. Die Ausdehnung der Verwaltung erforderte einen großzügigen Neubau, das „Alte Rathaus“ dient heute nur mehr zu Repräsentationszwecken. Bei den Umbaumaßnahmen zur Fußgängerzone entdeckte man vor der Rathaustreppe die Reste eines uralten Stadtbrunnens. Eine Messingtafel im Pflaster weist auf den sog. „Goldenen Brunnen“ hin. An der Balustrade der Freitreppe sieht man die Steinlaterne mit Tierfiguren in den Säulen. Sie wurde im Jahre 1915 installiert. Betritt man die Treppe, so fällt der Blick auf ein Relief (370 x 215 cm). Diese Steinplatte „Die pflügende Frau“ erinnert an die Mühen und Entbehrungen der Frauen im 1. Weltkrieg und wurde 1921 auf Anregung des Stadtbaumeisters J. Linhardt angebracht. Darüber befindet sich ein Glockenspiel, das 1983 vom Rotary Club Weiden der Stadt gestiftet wurde (es ist täglich um 11.35 Uhr und um 16.30 Uhr zu hören). Unter dem Dachgiebel zeugt ein Mosaik (370 x 245 cm) von der urkundlichen Erwähnung Weidens durch Konrad IV. Es wurde 1937 von dem Weidener Künstler Eduard Götz geschaffen. Kurz vor dem Portal fällt der Blick auf ‚das sogenannte „Lichtmännlein“, das einen Nachtwächter darstellt. Der Symbolgehalt des Konsensbeschlusses ist bemerkenswert: ein Hamster hält seine erbeuteten Kartoffeln fest. Diese figürliche Darstellung erinnert an die Lebensmittelknappheit in der Zeit des Rathausumbaus um 1915. Im Mittelteil der Konsole sieht man das Zeichen des Stadtbaumeisters Wallenreuter, der für den Umbau verantwortlich zeich nete. Über dem steinernen Lichtmännlein wurden im Jahre 1915 am gesamten Vorbau des Südwestgiebels 11 Wappen angebracht, die neben dem Weidener Stadtwappen, dem bayerischen Staatswappen und dem Reichsadler stellvertretend für die 8 Regierungsbezirke (die bis 1945 zum Freistaat gehörten) die Wappen der Regierungsstädte zeigen. Im Granitportal sind rechts und links die Aufgabenbereiche der Stadt symbolisch dargestellt: Verwaltung und Finanzwirtschaft. Der „Große Sitzungssaal“ mit der mittelalterlichen Holzdecke - am Ende des Hauptganges - wird heute als Trauungssaal, für Festsitzungen des Stadtrates oder für andere festliche Anlässe genutzt. Im Jahre 1981 zogen wieder Läden in das Erdgeschoss ein. Auf der Rückseite des Baues findet man links im Granitportal eingelassen zwei Längenmaße: die Weidener Doppelelle und den Weidener Schuh. Diese Maßeinheiten galten speziell für Weiden und waren für Kaufleute verbindliche Messgrößen. Auf der rechten Seite befindet sich der Pranger, an dem im Mittelalter Betrüger, Kuppler und andere „Sünder“ dem öffentlichen Spott preisgegeben wurden. In der Flucht des Rathausganges steht der bereits erwähnte Gedenkstein für den Stadtbach.

Unterer Markt[Bearbeiten]

Hussitenkugeln[Bearbeiten]

Am Sandplatz, gegenüber dem Pranger sind Geschosskugeln zu sehen. Sie haben einen Durchmesser von rund einem halben Meter und wurden von den Hilfstruppen zurückgelassen, die der Stadt im Kampf gegen die Hussiten 1428 beistanden. Der Blick auf die Bürgerhäuser am Unteren Markt ist einzigartig. Sie wurden in der Regel kurz nach den Stadtbränden erbaut. Die Schönheit der Häuser geht vor allem aus den kunstvoll geschmückten Giebeln hervor.

Stadtgeschichtlicher Brunnen[Bearbeiten]

Stadtgeschichtlicher Brunnen

Kurz vor dem Unteren Tor befindet sich ein wunderschöner, 1984 eingeweihter Brunnen einer kurzen Pause. Der Künstler Günter Mauermann hat in der Bronze- Granitskulptur Szenen aus der Weidener Geschichte festgehalten. So wird z. B. die Pestepidemie mit einem Pestkarren mit Toten, das von einem Pferd gezogen wird, dargestellt. Das bäuerliche Leben der Weidener findet sich in der Abbildung eines fasstragenden Lastenträgers inmitten von Schweinen und Kühen. An einer Säule ist der Erzengel Michael zu sehen. Er ist der Patron der ältesten Hauptkirche. Die Darstellung der Stadtbrände fehlt ebenso wenig wie Markt- und Schulszenen aus dem Mittelalter. Der Wasserschleier rundet den Eindruck dieses aussagekräftigen Bilderbogens ab.

Unteres Tor[Bearbeiten]

Unteres Tor

Im Gegensatz zum Oberen Tor ist das Untere Tor im wesentlichen in seiner ursprünglichen Gestalt erhalten. Es war ein wichtiger Durchlass durch die mittelalterlichen Stadtmauern, von der rechts und links im Anschluss an die Wohnhäuser noch Reste vorhanden sind. Der Bau wurde - nach der Zerstörung im Jahre 1635 - Ende des 17. Jahrhunderts in der jetzigen Form wiederhergestellt. Bemerkenswert ist auch das restaurierte Torhaus. Im Durchgang ist ein Nagelkreuz angebracht, das an den 1. Weltkrieg erinnert. Das Vortor stammt den Urkunden nach von 1558. Interessant ist der als Abschlussstein des Torbogens benützte Kragstein. Er stellt eine romanische Tierfratze aus dem 13. Jahrhundert dar.

Gustav von Schlör Denkmal[Bearbeiten]

Gustav von Schlör Denkmal

Nördlich des Unteren Tores liegt der Gustav- v.-Schlörplatz. Dieser Platz ist auf historischem Grund gelegen. Hier begann die Lederervorstadt, in der die Gerber ihr Handwerk ausübten. Außerdem stand hier das Spital. Mitten am Platz steht das Denkmal des Handelsministers Gustav von Schlör. Ihm wurde ein Denkmal gesetzt, weil er wesentlichen Anteil an der Stadtentwicklung in der Neuzeit besaß. Er bewirkte z. B. den Ausbau Weidens zu einem Hauptverkehrspunkt der Eisenbahn.

Allee[Bearbeiten]

Die Bürgermeister-Prechtl-Straße wird von den Weidenern einfach „Allee“ genannt. Im Mittelalter errichteten hier die Weidener auf der gesamten Länge der nordwestlichen Stadtmauer die sogenannten „Schwedenschanzen“, als Verteidigungsanlagen gegen die Schweden. Die heute von einer Tiefgarage unterkellerte Allee geht auf eine von König Maximilian Josef gestiftete Parkanlage zurück. In einem feierlichen Erlass vom 22. Oktober 1819 verfügte der König, dass die Allee „immer in gutem Stande zu erhalten und nie anders als zu einem öffentlichen Spaziergang zu benützen“ sei. Bei Zuwiderhandlung behielt sich Maximilian vor, die Schenkung der Lindenallee rückgängig zu machen. Ende Mai 1856 zerstörte ein Sturm die prächtigen Baumreihen und erforderte eine Neubepflanzung. In den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts begannen die immer wieder nach- gepflanzten Bäume zu sterben. Der Autoverkehr forderte seinen Triut. Erst nach Fertigstellung der Tiefgarage im Jahre 1988 erwachte die „Allee“ zu neuem Leben.


Waldsassener Kasten[Bearbeiten]

Waldsassener Kasten

Das wuchtige Barockgebäude wurde von dem gebürtigen Waldsassener Johann Jakob Philipp Muttone von 1739 bis 1742 erbaut. Der Name lässt die Bedeutung des Baues erahnen: hier war der Sitz der Güterverwaltung des Klosters Waldsassen im Raum Weiden. Gleichzeitig benützte man den nordöstlichen Flügel als Getreidespeicher. Nach der Säkularisation im Jahre 1803 zog das Königliche Forstamt in diese Räume ein. In jüngster Zeit wurde der „Waldsassener Kasten“ einer Generalsanierung unterzogen. Nach den Umbaumaßnahmen entstand hier das Internationale Keramikmuseum als staatliches Zweigmuseum. Außer dem ist hier seit 1994 die Regionalbibliothek beheimatet. Hinter dem Barockbau sehen wir einen Turm von der ehemaligen Vorstadtmauer. Der sogenannte Flurerturm aus den Jahren um 1600 ist übrigens das einzige Bauwerk, das von dieser Befestigungsanlage übrig geblieben ist. Wir kehren zur Allee zurück, vorbei am Wohnhaus Max Regers (eine Gedenktafel an der ehemaligen Panzerkaserne erinnert daran).

St. Josef[Bearbeiten]

Kath. Pfarrkirche St. Josef

Wir folgen der Allee und kommen zur St. Josefs Kirche. Im Mai 1899 erfolgte der erste Spatenstich und im September 1901 wurde die provisorisch fertiggestellte katholische Pfarrkirche geweiht. Dabei handelt es sich um einen einzigartigen Kirchenbau, der neuromanische Architektur mit Jugendstilausstattung vereinigt. Die Josefskirche hat einen kreuzförmigen Grundriss mit folgenden Ausdehnungen: die beiden Türme sind je 64 Meter hoch, das Längsschiff ist 18 Meter hoch, 64 Meter lang, und 25 Meter breit. Von außen betrachtet besitzt die Kirche wenig figürlichen Schmuck. Betritt man den Innenraum so ist man erstaunt, welch leichten Eindruck - trotz der wuchtigen Säulen - der Längsbau vermittelt. Dem Langhaus mit 5 Jochen steht die zweijochige Apsis mit einem halbkreisförmigen Abschluss gegenüber. Darin befindet sich der Hochaltar, der nach dem Entwurf des Architekten J. B. Schott in den Jahren 1900-1901 von dem Münchner Goldschmied R. Harrach geschaffen wurde. Er hat die Form eines Reliquienschreins und in der Mitte erhebt sich der Tabernakel über den übrigen Altar. In den getriebenen Reliefs finden sich zahlreiche Darstellungen aus dem Geheimnissen des freudenreichen Rosenkranzes. Die Wand dahinter ist mit Marmorplatten und darin eingelassenen Stuckreliefs verkleidet. Direkt über dem Tabernakel ist eine Stuckfigur mit dem Patron der Kirche dem heiligen Josef. Darum gruppieren sich Gemälde der 12 Apostel, die bis ins erste Joch vor der Apsis hineinreichen. Über diesen Darstellungen befindet sich ein Mosaikgemälde das die Dreifaltigkeit darstellt. Als beherrschendes Element erscheint der gekreuzigte Christus, dazu Gottvater auf dem edelsteinbesetzten Thron. Darüber bildet die Taube den Abschluss der Darstellung der göttlichen Trinität. Zahlreiche Engel ergänzen die Apsiswölbung. Die Ausstattung besorgten der Münchner Franz Hofstötter und der Weidener Wilhelm Vierling.

Max-Reger-Straße[Bearbeiten]

Im Jahre 1396 wird im Freibrief des Königs Wenzel erstmals ein „Stadtweiher“ erwähnt. Dieser Weiher entstand mit der Aufstauung des Weidingbaches durch einen 250 Meter langen Damm (heute Max- Reger-Straße), der von der heutigen Ringstraße bis zum Josef-Witt-Platz verlief. Sehr deutlich ist die 12 Meter breite und 5 Meter Hohe Aufschüttung an der Kreuzung Ringstraße/ Max-Reger- Straße zu sehen. Die Stadtbewohner nützten den Stausee als Wasserreservoir und Fischgrund, bis er 1812, nach einigen Dammbrüchen, trockengelegt wurde. Heute befindet sich auf diesem Boulevard und der angrenzenden Wörthstraße das Herz des Weidener Einzelhandels.

Sprache, Dialekt[Bearbeiten]

Sprachkurs oberpfälzisch

Dem Oberpfälzer Dialekt wird eine sehr dunkle Färbung nachgesagt. Spötter behaupten, dass es mehr an ein Hundegebll erinnert als an menschliche Laute. Einer der besten Kenner ist Ludwig Zehetner der in vielen Büchern und Zeitschriftenartikeln Wissenswertes über den hier gesprochenen Dialekt veröffentlicht hat.- Man kann jedoch nicht von 'dem' oberpfälzischen Dialekt sprechen. Sehr deutlich wird dies am Bespiel des Wortes 'Mann':
Während in der Bezirkshauptstadt Regensburg vom 'Mo' gesprochen wird, heißt er in Weiden i. d. Opf. 'Ma' und schon ein paar Kilometer nördlich im Stiftland 'Moa'.
Der gebürtige Weidener Musikpoet, Entertainer und Humorist Hubert Treml hat über die Tücken der Oberpfälzer Mundart einen "vergnüglichen Sprachkurs" geschrieben. Der ebenfalls aus Weiden stammende Autor Martin Stangl versuchte sich sogar an zwei Wörterbüchern über den oberpfälzischen Dialekt.

Wörterbuch oberpfälzisch-deutsch

Feste und Märkte[Bearbeiten]

Datei:Christkindl.jpg
Christkindlmarkt

Alljährlich findet am Oberen Markt einer der stimmungsvollsten Christkindlmärkte der Oberpfalz statt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

  • Issy-les-Moulineaux (Frankreich) seit 1962
  • Macerata (Italien) seit 1963
  • Weiden am See (Österreich) seit 1969
  • Annaberg-Buchholz (Deutschland) seit 1990
  • Mariánské Lázne (Marienbad, Tschechien) seit 2008
  • U. S. Army Garrison (USA Grafenwöhr) seit 2008

Ausflugsziele in der Näheren Umgebung[Bearbeiten]

  • Große Kappl bei Waldsassen
  • Burg Falkenberg
  • Kontinentale Tiefbohrung bei Windischeschenbach
  • Neustadt a. d. Wn.
  • Basaltkegel Parkstein
  • Burg Wernberg
  • Burgruine Leuchtenberg


Weblinks[Bearbeiten]